
Am Beginn in meinen Astrologie-Kursen mache ich als Ausbildnerin immer wieder dieselbe Beobachtung: die Teilnehmerinnen sind hochmotiviert und wollen schnellstmöglich ihr Horoskop deuten können, aber in Wahrheit wollen sie vor allem wissen, was denn diese Konstellation in ihrem Horoskop bedeutet. Und diese Frage und die dahinterliegende Ungeduld ist verständlich, trotzdem hilft eine einfache Antwort nicht wirklich weiter.
In diesem Artikel möchte ich Dir 3 Gründe mitgeben, warum eine schnelle Antwort auf die Frage nach der Deutung von Einzelkonstellationen nicht immer sinnvoll ist.
Inhaltsverzeichnis
Astrologieausbildung ohne das eigene Horoskop?
Es gibt Astrologieausbildungen, die den Unterricht komplett ohne Teilnehmer-Horoskope machen, mit der Begründung, dass das man als Lernender sonst zu sehr nur auf das eigene Horoskop fixiert ist und weniger offen und neutral ist, um Astrologie zuerst einmal allgemein zu lernen und die Prinzipen grundlegend zu verstehen.
Diese Bedenken kann ich nachvollziehen, ich habe das als Teilnehmerin selbst oft erlebt. Wenn zB eine Teilnehmerin fragt „Und was bedeutet es, wenn Mars in Wassermann im 5. Haus steht?“ erfolgte eine Antwort und manchmal kam man dann „vom Hölzchen aufs Stöckchen“, sodass man die Antwort zunächst gar nicht wirklich einordnen konnte.
Hier gab es zu viel Detailinformation zu Beginn und noch zu wenig Struktur, um die neuen Informationen an bereits Bekanntes anhängen zu können. Doch ohne diese Struktur, in welche man weitere Details einhängen kann, fällt es unserem Gehirn schwer, die neuen Informationen zu speichern und bei Bedarf wieder hervorzuholen.
Oder – und das ist mir vor allem am Beginn meiner eigenen Unterrichtstätigkeit passiert – dass durch ständige Fragen zu Einzelkonstellationen der Lernfluss immer wieder gestoppt wurde. Klar, Fragen sind wichtig, aber sie können auch dazu führen, dass man sich zu früh zu sehr in Details verzettelt, ohne zunächst eine grundlegende Basis aufgebaut zu haben.
Und wie sagte es einmal eine Kursteilnehmerin: „Wenn ich Medizin studiere, lerne ich auch nicht in der ersten Vorlesung, wie ich eine Herz-OP durchführe.“
Daher gehe ich seit einigen Jahren in meinem Grundkurs anders an diese Thematik heran.
Struktur, Grundlagen und Details – vom Großen ins Kleine
Wenn die Teilnehmer zu Beginn ihrer Ausbildung die einzelnen Horoskopfaktoren kennenlernen, tauchen oft sehr früh Fragen auf, die sich auf eine bestimmte Konstellation im eigenen Horoskop bezieht. Nehmen wir an, ich erkläre gerade, wofür der Planet Mars im Horoskop steht. Dann kommt leicht die Frage auf: „Ja, und wenn nun Mars im Wassermann im 5. Haus steht – was heißt das dann?“
Diese Frage geht davon aus, dass jede Konstellation eine fixe Bedeutung hat, welche man einfach auswendig lernen müsste, dann könnte man das Horoskop deuten. Es ist der Blick auf Kleine, man könnte sagen, auf ein Detail. Doch dieses Detail macht ohne den Überblick, ohne das „große Ganze“, wenig Sinn.
Und seit ich meinen Teilnehmern die nachfolgenden 3 Erklärungen dazu gebe, gelingt es deutlich besser, eine gute Basis zu schaffen und Detailfragen an geeigneter Stelle etwas später im Kurs zu beantworten. Nämlich dann, wenn die Antwort auch nachvollziehbar und für die Teilnehmer auch gut selbst einzuordnen ist.
3 Gründe, warum eine einfache Antwort nicht hilft
1. Zu Beginn fehlt noch das Grundverständnis über die einzelnen Horoskopfaktoren
Gerade in den Ausbildungen kommen oft Teilnehmer mit sehr unterschiedlichen Wissensständen – die einen sind noch ganz neu in der Astrologie, während andere schon viel dazu gelesen haben und sich bereits Wissen angeeignet haben.
Um zu wissen, wie eine Deutung für zB Mars in Wassermann im 5. Haus entsteht, muss zunächst ein Grundverständnis über den Planeten Mars, das Tierkreiszeichen Wassermann und das 5. Haus gegeben sein.
Das bedeutet, dass zunächst die grundlegende Bedeutung der einzelnen Horoskop-Faktoren erarbeitet werden muss. Welche Bedeutung hat ein Planet, welche das Tierkreiszeichen und welche die Häuserebene? Was ist der Unterschied zwischen diesen 3 Ebenen und was verbindet sie?
Stell Dir vor, Du willst Chinesisch lernen. Auch dann musst Du erst die einzelnen Schriftzeichen kennenlernen, ehe Du beginnen kannst, zunächst Worte und schließlich ganze Sätze lesen oder selbst bilden zu können. Erst, wenn Du die grundlegenden Faktoren im Horoskop einzeln kennst, macht es Sinn, diese miteinander zu kombinieren, Dein Horoskop selbst lesen und eigene Deutungen ableiten zu können.
Das braucht zunächst tatsächlich ein wenig Geduld. Wie formulierte es eine Kundin im Kurs: „Am Anfang war ich mir nicht sicher, ob ich da dranbleiben kann. Aber je mehr ich gelernt habe, umso spannender wurde es. Und ich konnte immer mehr selbst erkennen und deuten!“
Erst, wenn ein Verständnis über die Horoskopfaktoren und die Deutungsebenen geschaffen ist, können Antworten zu Einzelkonstellationen sinnvoll eingeordnet und nachvollzogen werden.
2. Zu Beginn fehlt noch das Grundverständnis darüber, wie Interpretationen überhaupt entstehen
Ich war als Kind und Jugendliche in Mathe ganz gut. Was ich daran mochte: wenn ich es einmal verstanden habe, musste ich nichts mehr auswendig lernen. Geschichte hingegen war für mich ein Buch mit 7 Siegeln! So, wie mir Geschichte vermittelt wurde, konnte ich es nur auswendig lernen. Sofort nach der Prüfung habe ich alles wieder vergessen. Mir fehlte die innere Struktur, welche es mir ermöglicht hätte, mir all die Details zu merken. Wenn ich aber etwas „von innen heraus“ verstanden habe, musste ich nichts mehr lernen, sondern konnte die Lösungen und Ergebnisse nachvollziehen und selbst herleiten.
Auf die Astrologie umgelegt: warum steht das 3. Haus für Geschwister und für Schulerfahrungen? Warum steht Saturn für Mangel und Schuld, aber auch für Erfolg und Professionalität – was hat das eine mit dem anderen zu tun, wo ist der gemeinsame Nenner dahinter? Und warum hat jedes astrologische Prinzip überhaupt scheinbar so widersprüchliche Bedeutungen? Wie soll man sich das denn merken?
Wenn Du Astrologie lernst, indem Du einfach viele Worte auswendig lernst – so, wie ich damals Geschichte – wird nicht viel davon hängen bleiben. Wenn Du aber einmal die dahinterliegende Dynamik verstanden hast, kannst Du eigene Deutungen selbst herleiten.
Dazu helfen 2 Faktoren:
- Zum einen die dem Prinzip innewohnende, zugrundeliegende Qualität verstehen, und damit auch alle verschiedenen Erscheinungsformen nachvollziehen können, welche sich daraus ableiten lassen.
- Zum andern, die saubere Trennung der Bedeutungsinhalte von Planeten, Haus und Zeichen kennen und anwenden können.
Wenn Du an diesem Punkt angelangt bist, kannst Du beginnen, eigene Interpretationen zu bilden. An diesem Punkt beginnst Du die innere Logik zu verstehen und zu fühlen. Und dann brauchst Du immer weniger auswendig lernen.
Und ja, diesen Punkt zu erreichen braucht ein wenig Geduld.
3. Der irrtümliche Glaube, dass eine Konstellation immer die gleiche Bedeutung hat
Der 3. Grund, warum ich Fragen nach Einzelkonstellationen nicht zu früh im Kurs beantworte, ist aus meiner Sicht der wichtigste. Nämlich, dass Du dann irrtümlicherweise glauben könntest, dass diese Konstellation in jedem Horoskop die gleiche Bedeutung hat. Doch dabei werden 2 wichtige Faktoren nicht beachtet, die eine entscheidende Rolle spielen.
Der erste Faktor liegt in den Aspekten begründet! Um beim Beispiel Mars in Wassermann im 5. Haus zu bleiben: es ist ein Unterschied, ob Mars ein Quadrat zu Pluto oder eine Konjunktion zu Neptun macht. Solange aber diese Horoskopfaktoren noch nicht bekannt sind – was am Beginn der Ausbildung naturgemäß so ist –, kann eine Deutung nicht oder nur bruchteilhaft nachvollzogen werden.
Der zweite Faktor schließlich ist die Bandbreite der Ausdrucksformen, welche eine Konstellation zeigen kann. Diese Bandbreite kommt einerseits von den oben bereits genannten Erscheinungsformen, andererseits davon, dass jede Konstellation in ihrer Schattenform erlitten oder in ihrer Kraft zum Ausdruck gebracht werden kann. Und oft erleben wir im Laufe des Lebens auch verschiedene Formen des Ausdrucks, da wir uns verändern und uns weiterentwickeln. Keine Konstellation ist „nur großartig“ oder „nur schwierig“. Auch hier braucht es ein wenig Geduld, um diese Ausdrucksformen kennenzulernen und sinnvoll kombinieren zu können.
Zusammenfassung
Wie Du siehst, ist Astrologie und eine Horoskopdeutung etwas komplexer, als einfach eine rasche Antwort auf die Frage nach einer bestimmten Konstellation zu geben. Und genau deshalb lohnt es sich, etwas Geduld mitzubringen, wenn Du lernen willst, wie auch Du Horoskope deuten kannst! Denn das bedeutet zunächst, ein solides Grundverständnis über die Horoskopfaktoren und Deutungsebenen zu schaffen. Wenn Du verstehst, wie Interpretationen entstehen, entwickelst Du mit der Zeit ein tiefes Gespür für die Konstellationen und die vielfältigen Ausdrucksformen.
Mit der richtigen Struktur kannst Du Dich dieser Komplexität nähern, weil Du mit etwas Zeit und Geduld ein echtes Verständnis in Dir entwickeln wirst. Dann bist Du in der Lage, ein Horoskop wirklich lesen zu können. Und an diesem Punkt wird die Reise durch Dein Horoskop erst so richtig spannend!
Du möchtest genau diesen Weg gehen – vom Überblick ins Detail, mit einer Struktur, die seit Jahren erprobt ist und aus Astrologie-Neulingen echte Profis macht? Der neue Grundkurs startet im Herbst. In diesem Kurs bauen wir gemeinsam Schritt für Schritt genau diese Basis auf. Ich freue mich, Dich dabei zu begleiten!
P.S.: Übrigens: man muss kein Mathe-Genie sein, um Horoskope lesen zu können! Das Horoskop wird zum Glück vom Computer berechnet.